Geförderte Projekte

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Die nachfolgende Auflistung zeigt Beispiele für Projekte, die durch die martha muchow.Stiftung gefördert wurden.
Diese Beispiele sollen Einblicke in die Arbeit der Stiftung geben, können aber auch genutzt werden um die Passung eines eigenen Vorhabens mit den Stiftungszielen und der Förderpraxis der martha muchow.Stiftung zu überprüfen.
Die Beispiele werden – beginnend mit dem aktuellsten Beispiel – in chronologischer Reihenfolge präsentiert.

 

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Junge Geflüchtete an der Grenze.
Eine Ethnografie zu Altersaushandlungen
Laura K. Otto

Weltweit sind immer mehr junge Menschen alleine auf der Flucht. Wenn sie in Europa ankommen, wird ein Teil
von ihnen als sogenannte „unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge (‚UMF‘)“ eingeteilt. Nationalstaaten, die (junge)
Geflüchtete aufnehmen, streben nach der Herstellung von Eindeutigkeit in Bezug auf ihr Alter, wofür mittels Altersfest-
stellungsverfahren die Minderjährigkeit belegt oder widerlegt werden soll. An diese geschaffenen Eindeutigkeiten und
Fixierungen sind Bedingungen von Aufnahme und sozial-rechtlicher Positionierung der Geflüchteten gebunden.
Während also bürokratische Verfahren geschaffen wurden, um diese Eindeutigkeiten festzustellen, zeigt der Alltag im Grenzregime jedoch, dass sowohl geflüchtete als auch nicht-geflüchtete Akteur*innen diese herausfordern, umkehren, produktiv für sich nutzen oder auch gegen andere verwenden.
Hieraus ergeben sich folgende Fragen: Wie gehen die eingeteilten jungen Menschen mit dieser Kategorie des ‚UMF‘ um? Wie erleben und navigieren sie ihr Ankommen in Europa? Und was machen die sie Einteilenden und Verwaltenden mit und aus der Kategorie des ‚UMF‘?

Die Ethnografie von Laura K. Otto widmet sich diesen Fragen am Beispiel von Malta und adressiert damit eine wichtige Forschungslücke.
Zwischen 2013 und 2018 forschte die Autorin entlang der europäischen Außengrenze zum Ankommen junger Menschen aus Somalia. Es gelang ihr, Beziehungen sowohl zu den jungen Menschen, aber auch institutionellen Akteur*innen aufzubauen. Die Studie macht dank dieser Einblicke in den Alltag der Menschen sicht- und verstehbar, welche zentrale Rolle das Alter junger Geflüchteter im Grenzregime einnimmt und zeigt entlang des dichten empirischen Materials auf, wie wirkmächtig die Einteilung als ‚UMF‘ ist. Im Ergebnis zeigt die Studie, dass Alter keineswegs eine eindeutige Kategorie ist, sondern vielmehr dynamisch ausgehandelt wird.
Die ethnographische Langzeitstudie hat genau diese Dynamiken zum Gegenstand. Es ist der Autorin gelungen, aufzuzeigen, wie Selbst- und
Fremdpositionierungen, Zugänge zu Ressourcen sowie Agency unter stark asymmetrischen und durchmachteten Bedingungen verhandelt werden. Es wurden dafür sowohl strukturelle als auch subjektbezogene Facetten analysiert. Forschungstheoretisch orientiert sich die Studie an Konzepten der transnationalen Migrations- sowie Grenzregimeforschung. Der analytische Blick wird primär in Subjektforschung, sozialkonstruktivistischen Raumtheorien, postkolonialen Theorien sowie Intersektionalitätsforschung eingebettet.
Die Studie liefert wichtige Einblicke in die Perspektiven junger Geflüchteter und erwirkt somit bei den Lesenden ein besseres Verständnis für ihre Situation, denn sonst wird häufig über sie statt mit ihnen gesprochen. Dank des Ansatzes, nah an den jungen Geflüchteten zu forschen, gibt die Studie Einblicke in ihre Fähigkeiten und Wünsche jenseits der Kategorie des ‚minderjährigen Flüchtlings‘. Somit bietet die Studie einen ganz neuen (analytischen) Rahmen um über Flucht und Ankommen junger Menschen in Europa nachzudenken. Das Werk dient dazu, Vorurteile abzubauen – wie z. B. die des Asylmissbrauchstäters oder des hilflosen Opfers – da sie differenziert aufzeigt, wie die jungen Geflüchteten mit der Kategorie des ‚UMF‘ umgehen und sie als aktive Gestalter*innen ihrer Lebenswelt präsentiert.

Die martha muchow.Stiftung hat die Arbeit gefördert, weil sie sehr genau ist in der Beobachtung und Beschreibung des Umgangs mit jungen
Geflüchteten im europäischen Grenzregime. Der Autorin ist es dabei nicht nur gelungen, analytische Schärfe zu beweisen, sondern räumt den im Diskurs sonst unterbeleuchteten Perspektiven der jungen Geflüchteten ausreichend Raum ein. Das Buch präsentiert zudem wichtige methodisch innovative Impulse für die Forschung mit jungen Geflüchteten. Das Werk ist sehr gut zu lesen, ist methodisch und methodologisch fundiert und hat dennoch oder gerade deshalb eine hohe praktische Relevanz.

Laura K. Otto (2020): Junge Geflüchtete an der Grenze. Eine Ethnografie zu Altersaushandlungen.
Frankfurt/New York: Campus. ISBN 9783593513072
https://www.campus.de/buecher-campus-verlag/wissenschaft/soziologie/junge_gefluechtete_an_der_grenze-16243.html

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Zeichnen als Bildungschance im Kindergarten
Wie 5-bis 6-jährige Kinder agieren, wenn sie dazu angeregt sind, an Gegenständen und Szenen orientiert zu zeichnen
Anja Morawietz

Das Forschungsprojekt geht der Frage nach, wie Kinder im Vorschul- und Grundschulalter  im Unterricht agieren, wenn sie im Sinne der ästhetischen Bildung dazu angeregt werden, zu bestimmten Motiven  eigene Bildlösungen zu finden. Die videobasierte Studie macht sicht- und verstehbar, was den Kindern in diesem Unterricht wichtig ist und welche Handlungsweisen sie zum Einsatz bringen, wenn sie auf der Suche nach bildnerischen Lösungen für ihre Vorstellungen sind.
Es gibt noch kaum wissenschaftlich gesichertes Wissen zum Zeichnenlernen 5- bis 6- jähriger Kinder im Rahmen von Unterricht. In der Praxis halten sich zwei überlieferte Vorstellungen davon, wie Zeichnen zu unterrichten sei. Die eine orientiert sich an Vorschlägen aus Hans Witzigs Buch (1949) mit dem Titel „Punkt, Punkt, Komma, Strich“. Hier instruiert die Lehrperson, ausgerichtet an der Bildsprache und der Zeichenfähigkeit der Kinder, Schritt für Schritt zu einer bestimmten Darstellung. Diese unterrichtliche Vorgehensweise unterbindet jedoch tendenziell die eigene zeichnerische Formsuche der Kinder und damit vermutlich den gestalterischen Prozess, der zentralen Bildungswert besitzt. Die gegenteilige Auffassung ist aus der Reformpädagogik hervorgegangen. Das Kind sei im gestalterischen Unterricht sich selbst zu überlassen, in der Annahme, alles müsse aus der ,natürlichen’ Schöpferkraft des Kindes kommen. Das Kind bleibt bei dieser Art von gestalterischem Unterricht in seiner zeichnerischen Entwicklung tendenziell eher stehen, als einen Schritt in die nächste erreichbare Lernerfahrung zu wagen.
In der vorliegenden Studie wird Zeichnenlernen im Unterricht mit 5- bis 6-jährigen Kindern untersucht, der Zeichnen als prozesshafte Suche nach einer Form für das Motiv erachtet. Dabei leiten und beeinflussen konkrete Aufgabenstellungen und Impulse die zeichnerischen Prozesse der Kinder. Mit dem didaktischen Rahmen wird den Kindern bewusst die Möglichkeit eröffnet, sich wahrnehmend auf einen bestimmten Ausschnitt von Welt zu konzentrieren (Kühe auf dem Bauernhof), dabei Wissen zu sammeln und dieses dann ordnend und fabulierend zeichnerisch zu Papier zu bringen. Ferner können die Kinder die Zeichnung in ihrer kommunikativen Funktion erfahren und erproben.
Die Videodaten ermöglichen einen differenzierten Blick auf das eigentliche Lerngeschehen im Unterricht. Sie zeigt, inwiefern der umrissene Unterricht zum gegenstandsorientierten Zeichnen im Kindergarten fruchtbar und sinnvoll ist, wo sich Stolpersteine zeigen und welche Bildungschancen sich darin ergeben. Diese Erkenntnisse fliessen in die Lehrerinnenbildung und in den kunstpädagogischen Diskurs ein.

Die martha muchow.Stiftung hat die Arbeit gefördert, weil sie – didaktisch und methodisch gut geplant – sehr genau ist in der Beobachtung und Beschreibung des kindlichen Verhaltens. Die Autorin formuliert relevante Unterscheidungskategorien bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der Komplexität des Geschehens. Sie ist gut zu lesen und man wünscht sich, dass sie von anderen zur Kenntnis genommen wird, seien es Forscher/innen oder Praktiker/innen.

Anja Morawietz (2020): Zeichnen als Bildungschance im Kindergarten.
Wie 5-bis 6-jährige Kinder agieren, wenn sie dazu angeregt sind, an Gegenständen und Szenen orientiert zu zeichnen. München: kopaed Verlag; ISBN 978-3-86736-513-0
http://www.kopaed.de/kopaedshop/?pg=2_15&pid=1250

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Räume schaffen.
Eine explorative Fallstudie am Beispiel der Vermittlung von Site-specific Performance Art in der Primarstufe
Anna Stern

Anna Sterns Forschungsinteresse entstand aus Fragen, die sich aus ihrer Praxis als Performance-Künstlerin und Kunst-Vermittlerin entwickelt haben. Sie betreibt und vermittelt eine zeitgenössische Spielart der Bildenden Kunst, Site-specific Performance Art. Ortsspezifische Performance-Kunst spielt mit den Wechselwirkungen zwischen konkretem Ort, Akteur*in, künstlerischer Handlung und dem Publikum, das meist deutlich stärker involviert wird als in klassischen Theateraufführungen. In vielen Seminaren und Workshops konnte sie feststellen, dass eine Beschäftigung mit dieser Kunstform Erwachsene dazu bringt, sich Orte über das Medium einer ästhetischen Erfahrung anzueignen und diese Erfahrung als selbstermächtigend zu erleben. Für Kinder ist eine solche Praxis und Erfahrung – wenn sie denn die Chance dazu haben – fast selbstverständlich, dies zeigte schon Martha Muchows Lebensraumstudie, in der sie u.a. beobachtet hat, wie Kinder Objekte, Strukturen und Orte der Erwachsenenwelt umwidmen, um sie in die eigenen Geschicklichkeits- und Phantasiespiele zu integrieren.
Anna Sterns explorative Fallstudie fragt nun danach, welche Formen des Raumschaffens bzw. Spacings beobachtbar sind, wenn Kinder in einem kunstpädagogischen Unterrichtssetting für außerschulische Orte Performances erfinden, und wie die entstehenden symbolischen Räume beschrieben und gedeutet werden können. Sie bezieht sich dabei auf ein performatives und relationales Verständnis von Handlung, Raum und Bildung, das sie aus handlungs- und bildungstheoretischen, raumsoziologischen und kunstwissenschaftlichen Konzepten destilliert.
Den Rahmen für die Empirie bot ein kunstdidaktisches Seminar. Hier konnten Studierende selbst erste künstlerische Erfahrungen mit ortsspezifischer Performance-Kunst machen und auf dieser Basis ein didaktisches Konzept für eine Projektwoche entwickeln, an der Kinder einer 3. und 4. Klasse der St. Bernhard-Grundschule in Rulle teilnahmen. Das Kultur- und Begegnungszentrum dieser ländlichen Gemeinde, das Ruller Haus, eignete sich als außerschulischer Ort besonders gut für das Projekt. Allen Kindern bekannt, war es ein positiv besetzter Ort ihrer Lebenswelt, der zugleich unbekannte Bereiche bot. Während der Projektwoche wurden Räume geöffnet, die im Normalbetrieb verschlossen sind, Erdkeller, Domestikenkammer, Dachboden, Vorratskeller. Diese Räume waren voller geheimnisvoller Spuren und Relikte der 700-jährigen Geschichte des Gebäudes als Wallfahrtsort, Dorfschule und Forsthaus und zugleich einer aktuellen Nutzung enthoben. Dies eröffnete den Kindern Handlungsspielräume, um den Orten über ihre Performances eine eigene Bedeutung zu geben. Der Arbeitsauftrag lautete: ‚Suche Dir einen Ort im oder um das Ruller Haus aus und erfinde für diesen Ort eine Performance.‘ Die Kinder arbeiteten in Duos, Kleingruppen oder solistisch an den Orten ihrer Wahl, betreut von den Studierenden. Am Ende der Woche konnten Eltern, Lehrer*innen und andere Schüler*innen über das Gelände und im Haus herumstreifen und die Performances, die jeweils nur wenige Minuten dauerten und wiederholt wurden, nach und nach erleben. Dabei entstanden insgesamt 18 Performance-Videos, die den zentralen Datenkorpus der Studie ausmachen, flankiert von ebenfalls videodokumentierten Gruppeninterviews mit den Kindern an den Orten ihrer Performances. Anna Stern befragte sie zur Ortswahl, zur Entwicklung der Performance, zum Gruppenprozess und zu ihren Erfahrungen während der Aufführung. Die Interpretation der Interviews hatte zum Ziel, Deutungen, Motive und Narrative der Kinder zu rekonstruieren und diese mit den Deutungen der Performance-Videos in einen vergleichenden Dialogzu bringen.

Ergebnisse
Im Überblick über die 18 Performance-Videos beschreibt die Studie drei zentrale Räume, die durch unterschiedliche Spacingformen geschaffen werden: Objekt-Raum, Klang-Raum und sozialer Raum, der noch einmal in Akteur- und Zuschauer-Raum differenziert wird.
Auf der Ebene des Objekts-Raums werden Dinge ein-, aus- und umgeräumt, mitgebracht oder vor Ort ‚entdeckt‘, konventionell genutzt, aber ebenso oft auch umgewidmet: Ein Stein wird zum Rhythmusinstrument, eine Astschere zum Nussknacker, ein Brett auf einem Hocker zur Wippe. Dies verweist auf den Stellenwert, den Objekte als Träger kultureller Praxen und Werte für die kindliche Lebenswelt haben, aber ebenso auf ihren noch fluiden Status. Auf der Ebene des Zuschauer-Raums spannt sich ein beeindruckendes Spektrum an Spacingformen auf: Die Kinder erschaffen Aufführungssituationen vom klassischen Guckkasten-Theater bis hin zu zeitgenössischen immersiven Theater- und Performance-Settings. Entsprechend variieren die Rollen, die sie den Zuschauenden zuweisen, von distanzierten Beobachter*innen bis hin zu Ko-Akteur*innen. Die Spacing-Formen des Akteur-Raums haben vielfach eine synchrone Qualität und scheinen dazu beizutragen, eine temporäre Gruppenidentität zu bilden und zu stärken. So entscheiden sich Kinder einer Gruppe, die gleichen Farben zu tragen, sich synchron zu bewegen oder mit ihren Körpern einen eigenen Raum im Raum zu bilden. Das kennzeichnet die Akteure auch für die Zuschauenden als zusammengehörig und steigert Intensität, Präsenz und Ausdrucksqualität der Performance. Dies wird besonders augenfällig an der mimetisch aufgenommenen und verwandelten Spiegelbild-Übung, die als formaler Impuls aus dem Übungsrepertoire der Projektwoche Eingang in viele Narrative fand. Die Spacingformen des Klang-Raums schließlich weisen meist einen wiederkehrenden Rhythmus auf und entfalten so auf akustischer Ebene ebenfalls eine synchronisierende Wirkung. Diese ermöglicht es Akteuren wie Zuschauenden, sich auf ein gemeinsames Zeitmaß und in eine geteilte Stimmungeinzuschwingen.
Anna Sterns Studie beschreibt zudem in ausführlichen Interpretationen von vier einzelnen Performances und den korrespondierenden Interviews, dass und wie sich hier zugleich Orientierungen und Themen von Kindern im Grundschulalter, materielle und soziale Ordnungen des Ortes sowie formale Impulse der begleitenden Studierenden zeigen. Im Aktionsrepertoire der Performances finden sich alltägliche Handlungen und Bewegungsformen, die mimetisch aufgenommen, variiert und an das entsprechende Narrativ angepasst wurden: Gehen, Haare kämmen, Wippen, Nüsse knacken… Indem diese Tätigkeiten an Orten gezeigt werden, an denen sie nicht erwartet werden, noch dazu verlangsamt oder wiederholt, entsteht eine produktive Spannung, der Ort wird neu und anders sichtbar. In ihren Performances verbinden die Kinder kontrastive Räume miteinander: Leben und Tod, Schlafen und Wachen, Arbeit und Freizeit, Vergangenheit und Gegenwart, Raum des Magischen und des Rationalen, Raum der Kinder und Raum der Erwachsenen. Damit spiegeln die Performances zugleich das Phänomen des Übergangs. Angesichts der Tatsache, dass sich die teilnehmenden Kinder zum Zeitpunkt des Projekts selbst in einer liminalen Phase befanden – zwischen Kindheit und Pubertät, zwischen animistisch-magischem und rationalem Weltverständnis und in Bezug auf ihre Schüler*innenrolle zwischen Grundschule und weiterführender Schule – können die Performances auch als Transformation dieses liminalen Erlebens in eine Aufführung verstanden werden. Die Performances boten die Möglichkeit, neue Rollen zu antizipieren und auszuprobieren, damit einhergehende Fragen und Verunsicherungen zu bearbeiten, zu verwandeln und mitzuteilen.

Fazit
Die Studie bewegt sich auf der Schnittstelle zwischen der Erforschung ästhetischer Praxen von Grundschulkindern und Unterrichtsforschung und macht von Kindern geschaffene Räume als Bildungsräume sichtbar. Zugleich plädiert sie für eine sozialraumorientierte Kunstpädagogik, die an kindliche Praxen des Spacings anschließt, sie als Formen des Kulturschaffens anerkennt und erweitert. In der Auseinandersetzung mit ortsspezifischer Performance-Kunst als zeitgenössischer Kunstpraxis können neue Aktionsräume für Kinder eröffnet werden, die ihnen in einem immer stärker verregelten, pädagogisierten und institutionalisierten Alltag zunehmend fehlen.

Anna Stern: Räume schaffen. Eine explorative Fallstudie am Beispiel der Vermittlung von Site-specific Performance Art in der Primarstufe.
kopaed ISBN: 978-3-86736-590-1
https://www.kopaed.de/kopaedshop/?pid=1279

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„Objektbegegnungen“ im historischen Museum.
Eine empirische Studie zum Wahrnehmungs- und Rezeptionsverhalten von Schüler_innen
Hannah 
Röttele

Geschichtsdidaktik und Museumspädagogik gehen in der Regel davon aus, dass das Potenzial von Museumsbesuchen mit der Schulklasse durch die ausgestellten Objekte begründet werden kann, denen eine besondere Anschaulichkeit, Aura und Authentizität zugeschrieben wird. Schon früh wurde darauf aufmerksam gemacht, dass diese Begründung den Wahrnehmungs- und Rezeptionsprozess ausblendet.  Eigentlich sollte die „Objektbegegnung“ – also das, was zwischen Mensch und Objekt passiert – im Zentrum stehen, wenn nach dem Potenzial eines Museumsbesuchs gefragt wird.
Dieser Einwand ist Ausgangspunkt der Untersuchung, in der das Wahrnehmungs- und Rezeptionsverhalten von Schüler_innen bei einem museumspädagogisch betreuten Besuch im Historischen Museum in den Blick genommen und per Videokamera aufgezeichnet wurde. Dabei waren folgende Forschungsfragen leitend:

– Wie handeln Schüler_innen bei einem museumspädagogisch betreuten Museumsbesuch
– Welche Relevanz besitzen „Objektbegegnungen“ dabei?
– Wie lassen sich „Objektbegegnungen“ beschreiben?

Beobachtet wurden Schüler_innen der 7. Klasse, die das Historische Museum Hannover besuchten und am museumspädagogischen Programm „Objekterkundung, Stadt im Mittelalter“ teilnahmen. Dieses gliedert sich in zwei zeitliche Phasen: In einer ersten Phase arbeiten die Schüler_innen mit Erkundungsbögen, die unterschiedliche Themenschwerpunkte haben, an ausgewählten Objektstationen; in einer zweiten Phase führen die Kleingruppen durch die Ausstellung und stellen sich ihre Arbeitsergebnisse gegenseitig vor. Die Videodaten, wurden mit der sozialwissenschaftlich-phänomenologischen Analyse ausgewertet.

Ergebnisse
„Objektbegegnungen“ sind im Rahmen des museumspädagogischen Programms selten und relativ kurz. Wenn sie dennoch beobachtet werden können, liegen ihnen bestimmte räumliche und zeitliche Verhältnisse zugrunde. Räumlich ist entscheidend, dass die Sicht auf das Objekt freigegeben wird; die zeitlichen Verhältnisse können als „Eigenzeit“ beschrieben werden, denn sie verlangen, dass alle Aufmerksamkeitskräfte auf das Objekt ausgerichtet sind. Ein wesentlicher Faktor, der Einfluss auf die räumlichen und zeitlichen Verhältnisse nimmt und „Objektbegegnungen“ begünstigt oder ihnen eher entgegensteht, ist das museumspädagogische Rahmenprogramm, denn dieses legt fest: a) wo sich die Schüler_innen aufhalten (sollen); b) was die Schüler_innen tun (sollen) und c) wieviel Zeit ihnen für ihr Tun zur Verfügung steht. In einem ersten Schritt konnte gezeigt werden, wie das museumspädagogische Rahmenprogramm auf die Konstitution räumlicher und zeitlicher Verhältnisse einwirkt.
In einem weiteren Schritt wurden die „Objektbegegnungen“ selbst in den Blick genommen, die im leiblichen Handeln der Schüler_innen ihren Ausdruck finden (z.B. Sprechakt, Gestik, Mimik). Ausgehend vom Handeln konnte auf die Wahrnehmung der Schüler_innen geschlossen werden, die dem Handeln stets vorausgeht. Es konnte herausgearbeitet werden, dass der Wahrnehmung eine spezifische Struktur zugrunde liegt, die durch die strukturelle Grunddisposition des Objekts (z.B. seine Beschaffenheit, seine Form und Materialität) mitgeformt wird. Wahrnehmung und Vorstellungsbildung waren dabei nicht voneinander zu trennen, denn im leiblichen Handeln der Schüler_innen wurde deutlich, dass dieses einen „Bedeutungsüberschuss“ enthält, der über die eigentliche Wahrnehmung hinausgeht und auf die Vorstellungsbildung verweist. So konnte das Potenzial der „Objektbegegnung“ als ein wahrnehmungs- und vorstellungsbildendes beschrieben werden. Dabei wurden unterschiedliche Objektarten (historische Sachzeugnisse, eine Stadtansicht und ein Stadtmodell) getrennt voneinander betrachtet, da ihr wahrnehmungs- und vorstellungsbildendes Potenzial unterschiedlich sind: Im Fall von historischen Sachzeugnissen konnte gezeigt werden, dass diese die Sinne und Affekte in besonderer Art und Weise ansprechen, während Stadtansicht/Stadtmodell eine räumliche Vorstellung aufzurufen vermögen. Das jeweilige wahrnehmungs- und vorstellungsbildende Potenzial wurde anschließend daraufhin ausgelotet, inwiefern es für die Aneignung von Geschichte nützlich sein kann. Dabei konnten Chancen und Fallstricke aufgezeigt werden.

Fazit
Insgesamt plädiert die Dissertation dafür, das Museum bei einem Besuch mit der Schulklasse weniger als einen kognitiven Lernort zu begreifen, sondern als einen Ort, an dem eine spezifische ästhetische Erfahrung gemacht wird, die ein kognitives Lernen jedoch nicht ausschließt. Diese Erfahrung ist leibbasiert und bezieht den gesamten Menschen, seine Sinne und Affekte mit ein. Das bedeutet für die museumspädagogische Arbeit, die sich ihrem Potenzial bewusst ist, auf eine Entfaltung von Wahrnehmungs- und Vorstellungsbildung zu zielen und dabei auch körperliche Erfahrungen und Handlungen mit einzubeziehen, die etwa den Tast- und Bewegungssinn miteinschließen. Darüber hinaus macht die Arbeit deutlich, dass ein historisches Lernen, das auf Wahrnehmung- und Vorstellungsbildung abzielt, nicht auf das Museum beschränkt bleiben sollte, sondern davon ausgegangen werden muss, dass es überall dort an Relevanz gewinnt, wo in der Auseinandersetzung mit Geschichte eine nachhaltige Erfahrung zurückbleiben soll.

Die Arbeit wurde mit dem Arnold-Vogt-Preis für Museumspädagogik 2019 ausgezeichnet.

Hannah Röttele (2020): „Objektbegegnungen“ im historischen Museum.
kopaed ISBN 978-3-86736-544-4
https://www.kopaed.de/kopaedshop/?pg=2_15&pid=1220

 

2019 / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / /
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Children in Crisis III:
Family Reunification after the Holocaust, War and Genocide
Internationaler Workshop an der Fachhochschule Potsdam am 21. Januar 2019
Organisation: Dr. Verena Buser & Dr. Boaz Cohen

Trotz unterschiedlicher politischer, kultureller und sozialer Rahmenbedingungen gibt es zwischen den kriegstraumatisierten und geflüchteten Kindern und Jugendlichen damals und heute Parallelen: Verlust ihrer und Trennung von ihren Familien, eine zwangsweise, frühe Unabhängigkeit, Misstrauen gegenüber Erwachsenen, eine große Abhängigkeit von der Hilfsbereitschaft von Fremden, das Gefühl, nicht willkommen zu sein. Der Workshop konnte zeigen, dass Fragestellungen im Kontext der Rehabilitation und Versorgung der Kinder von heute und damals auf einer psychosozialen Ebene universell.

Während und nach Flucht und Krieg gilt die erste Sorge der Kinder und Jugendlichen ihren Angehörigen. “Wo ist meine Familie? Wie geht es meiner Familie und meinen Freunden?”, “Wie kann ich wieder mit meinen Angehörigen zusammenleben?“, dies sind die Gedanken, die den Alltag der Minderjährigen, aber auch der Erwachsenen, bestimmen. Familie und Freunde sind in vielen Fällen eine Verbindung zu einer verlorenen Welt. Die physische Anwesenheit von Bezugspersonen trägt entscheidend dazu bei, sich in der neuen Heimat nicht alleine zu fühlen und sich besser in die Aufnahmegesellschaften zu integrieren.
Zu den grundlegenden Erkenntnissen gehört, dass Traumata aufgrund von Krieg und Flucht für junge Flüchtlinge zwar durchaus relevant sind, sozialer Stress aber insbesondere durch ihre gegenwärtige Lebenssituation bestimmt ist: es besteht ein großer Druck, die Anerkennung als Flüchtling im Rahmen der Genfer Konvention zu erhalten, ihr Leben findet nun in einer stationären Einrichtung statt, sie müssen sich um Schule und Ausbildung kümmern, dies alles vor dem Hintergrund der ungewissen Situation ihrer Familien in den Herkunftsländern.
Ihre Unterkünfte sind Dreh- und Angelpunkt ihres Lebensalltags, Mitbewohner und Freunde können ihnen eine emotionale Unterstützung geben, und die Sozialarbeiter wichtigsten Erwachsenen in ihrem Leben sein. Die meisten von ihnen streben eine Zukunft in Deutschland an und äußern den Wunsch nach einem „normalen“ Leben. Sorgen um das Wohlergehen ihrer Familien in den Heimatländern prägen oft ihren Alltag. Junge Geflüchtete sind zumeist über soziale Medien eng mit der Familie verbunden. Sie haben den starken Wunsch, ihre Familien nach Deutschland zu bringen.
Die Suche nach Angehörigen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bestimmte die erste Unternehmung der jüdischen (und nicht-jüdischen) Überlebenden. Auch Geflüchtete und Überlebende heute finden sich in dieser Situation wieder. Die Gründe dafür sind verständlich – Angehörige sind quasi Halt gebende „Inseln im Chaos“ und können als „Ankerpunkte“ für weitere rehabilitative Maßnahmen dienen. Eine Verbindung zur Familie kann das Gefühl der Isolation und der Einsamkeit der Überlebenden verringern.

Daraus folgt: – Erwachsenen müssen stabile und zuverlässige Ansprechpartner sein.
– Eine Einbindung in angemessene Bildungs- und Berufsperspektiven vor dem Hintergrund der individuellen Ressourcen des jeweiligen Jugendlichen ist wesentlich.
– Konsequent systematisches Erlernen der deutschen Sprache unmittelbar nach der Einreise ist entscheidend, unabhängig von den Erfolgsaussichten eines Asylverfahrens.
– Begegnungsmöglichkeiten mit deutschen Jugendlichen im Alltag sind wichtig.

Die martha muchow.Stiftung hat den Workshop finanziert, weil er der Frage nachging, was sich heute im Umgang mit geflüchteten unbegleiteten Kindern und Jugendlichen, aus einer vielleicht ähnlichen Situation nach dem Ende des 2. Weltkrieges lernen ließe. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Integrationsmaßnahmen, Methoden und Ansätze entwickelt, um verfolgte und traumatisierende Minderjährige in die jeweilige Aufnahmegesellschaft zu integrieren. Deutlich wird, dass Kinder in besonderer Weise vulnerabel sind und einen doppelten Opferstatus haben: als Verfolgte (Juden, durch Krieg und Vertreibung) und als Kind.

https://www.fh-potsdam.de/forschen/projekte/projekt-detailansicht/project-action/children-in-crisis-family-reunification-after-the-holocaust-war-and-genocide/

 

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Studientag Kindheitsforschung 2019

Am 23. Mai 2019 führte die martha muchow.Stiftung in Kooperation mit dem Fachbereich Erziehungswissenschaften der Goethe-Universität einen Workshop zur Bedeutung der Orientierung der Stiftung an den Perspektiven und Handlungsprozessen von Kindern durch. Es ging um eine Klärung der Formel „„Zur Perspektive des Kindes“”.

Auf der Grundlage von Vorträgen von Prof. Dr. Gertrud Beck, Prof. Dr. Gerold Scholz, Prof. Dr. Maike Baader, Prof. Dr. Michael Sebastian Honig und einer intensiven Diskussion nach den Vorträgen und einer von Prof. Dr. Heike Deckert-Peaceman moderierten Abschlussdiskussion lassen sich zwei Ergebnisse festhalten:

1. Der Vorstand der Stiftung hat ein Positionspapier zum Begriff „Perspektive des Kindes“ erarbeitet.
Dies findet sich unter der Rubrik 
„Förderrichtlinien“.
2. Die martha muchow.Stiftung beabsichtigt ein Buch zu der Thematik des Workshops herauszugeben. Sein Arbeitstitel lautet: „Zur Perspektive des Kindes – revisited“.
Wenn Sie an näheren Informationen zu dem Buchprojekt 
interessiert sind, schreiben Sie bitte an gerold.scholz@t-online.de. Dort können Sie auch einen Mitschnitt der Diskussion erhalten.

 

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Raum(re)konstruktionen von Kindern beim Einkaufen im pädagogischen und städtischen Alltag
Lisa Fischer

Martha Muchow interessierte sich schon Anfang des 20. Jahrhunderts für Kinder als gesellschaftliche Akteur*innen, die sie dort aufsuchte, wo sie sich im Alltag aufhielten. Muchow begriff Handlungspraktiken von Kindern als sozial wirksame und eigensinnige Praktiken. Lisa Fischer schließt mit ihrer Studie fast ein Jahrhundert später daran an und beleuchtet die sozialen Praktiken der Raumherstellung von Kindern und Erwachsenen in pädagogischen Situationen. Raum wird im Anschluss an aktuelle kulturtheoretisch-praxeologische Konzepte relational als Ergebnis von strukturellen Bedeutungszuschreibungen und situativer Herstellung begriffen.

Ausgehend von teilnehmenden Beobachtungen in einem Hort, beschäftigt sich die Studie damit, wie Orte zum Einkaufen für Kinder in den pädagogischen Alltag eingebunden werden und damit, wie Kinder in diesen Zusammenhängen Raum eigensinnig herstellen. Es handelt sich um einen im Hort regelmäßig veranstalteten Kiosk und um einen Ein-Euro-Discounter, zu dem die Kinder von den Pädagog*innen begleitet werden.
Durch einen mikroanalytischen Blick werden die Kreativität, Aktivität und Eigensinnigkeit der Kinder konsequent in den Mittelpunkt gerückt. So wird erkennbar, wie Kinder soziale Realität hinterfragen und fähig sind, ihre soziale Wirklichkeit mit zu gestalten. Dabei wird auch deutlich, dass die Kinder selbst Akteur*innen pädagogischer Organisationsprozesse sind und generationale Ordnungsverhältnisse produzieren. Sie gestalten pädagogische Einkaufs-Arrangements aktiv mit und dabei gelingt es den Kindern auch Themen einzubringen, die ihnen wichtig sind, beispielsweise Freundschaft und Gerechtigkeit.
Vor dem Hintergrund eines sozialwissenschaftlich informierten Begriffs von Kindheit, der das Kind als leibliches Wesen im Blick behält, werden in der Studie anhand des Konzepts der Generation erziehungswissenschaftliche und soziologische Prämissen zueinander ins Verhältnis gesetzt und Prozesse der Hervorbringung von Räumen nachgezeichnet. Indem sie Repräsentationsformen und Deutungszusammenhänge konsequent reflektiert, gelingt der Autorin ein sensibler Zugang zur sozialen Praxis des Untersuchungsfelds.

Lisa Fischer erhielt 2018 den Studienpreis Kindheitsforschung für ihre von Prof. Dr. Sabine Andresen (Goethe Universität Frankfurt) betreute Diplomarbeit „Einkaufen im Bahnhofsviertel. Eine ethnografische Erforschung kindlicher Raumherstellungsprozesse in alltagpädagogischen Zusammenhängen“, die nun als Buch vorliegt. Sie ist sowohl in ihren theoretischen Teilen, ihren raumtheoretischen Überlegungen sowie vor allem bei der Dekonstruktion vom Räumen des pädagogischen Alltags sehr überzeugend. Die Beobachtungen während des Hortkiosks in einer Kita und beim Besuch der Hort-Kinder mit einer pädagogischen Fachkraft  in einen Ein-Euro-Laden im Frankfurter Bahnhofsviertel werden differenziert und klar nachvollziehbar beschrieben und interpretiert.

Die Arbeit macht deutlich, dass ethnografische Forschung im Sinne von Martha Muchow und Hans H. Muchow, wesentlich dazu beitragen kann, unsere Perspektive als Erwachsene, als Pädagog*innen unter der Frage zu reflektieren, wie das Kind seine Lebenswelt, seine Umgebung wahrnimmt und was wir dazu beitragen können, dass sie, die Kinder, trotz der pädagogischen allumfassenden Betreuung Freiheiten/Freiräume haben, um Orte als Orte von Kindern zu gestalten.

Lisa Fischer (2020): Raum(re)konstruktionen von Kindern beim Einkaufen im pädagogischen und städtischen Alltag. Weinheim, Basel: Beltz Juventa.