Projekte 2013

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: … bis nach Istanbul.
Eine Dokumentation von Planung und Ergebnissen einer Forschungsexkursion von Studierenden
der Frühkindlichen Bildung und Erziehung.
Renate E. Horak, Marcus Rauterberg, Elena Schmid (Hrsg.) (2013)

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Der Band dokumentiert eine Exkursion von Studierenden der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg und der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg nach Istanbul im Mai 2013. Unter dem Rahmenthema „Istanbul – ein Ort für Kinder? – Orte von Kindern in Istanbul“.
Die Exkursion wurde – im Rahmen zweier Seminare – als Erkundung durchgeführt. Der Bericht über die Exkursion bearbeitet zwei Fragen. Zum einen enthält er Berichte zum Leben von Kindern in Istanbul und zu Istanbul als Lebensraum für Kindern. Da die diesen Berichten zugrundeliegenden Daten mittels teilnehmender Beobachtung gewonnen wurden, enthält der Band auch Hinweise und Reflexionen über die Rolle von Beobachterinnen und Beobachtern in Istanbul. Eingeleitet werden diese beiden Teile durch eine Darstellung der Seminarentwicklung und des Arbeitsprozesses vor dem Aufenthalt in Istanbul, während des Aufenthaltes und danach.
www.widerstreit-sachunterricht.de, Berlin 2013: www.widerstreit-sachunterricht.de (dokumentation1)

Die martha muchow. Stiftung hat die Veröffentlichung der Dokumentation aus mehreren Gründen unterstützt. Es ist einmal Beitrag zu einer sozialökologischen Forschung von Kind und Raum. Und es ist zweitens ein Dokument über die Möglichkeit eines forschenden Lernens von Studierenden, in dem Forschungsergebnisse verbunden werden mit der Reflexion der eigenen Wahrnehmungen und Interpretationen. Die veröffentlichte Dokumentation kann und soll nicht nur zu ähnlichen Exkursionen anregen; sie gibt auch eine Reihe praktischer und theoretischer Hilfen für die Vorbereitung, Durchführung und Reflexion dieser Art studentischer Forschung.

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Hausaufgaben yapmak
Ein ethnographischer Blick auf den Familienalltag
Martina Nieswandt

Es gibt eine Vielzahl von Studien zu Hausaufgaben, aber nur wenige, die beobachten, was es heißt, wenn Kinder in einer Familie ihre Hausaufgaben machen (sollen). Und es gibt keine Forschung, die solche Beobachtungen auf Familien bezieht, die aus unterschiedlichen Gründen mit dem System Schule, mit deren Sprache, mit kulturellen Gewohnheiten und Erwartungen wenig vertraut sind. Genau dies hat Martina Nieswandt in ihrer Forschung unternommen.
Drei Mal je eine Woche (mit halbjährigen Unterbrechungen) war sie in fünf türkischen Familien in der Zeit anwesend, in der Hausaufgaben angefertigt wurden und hat die Situationen in den Familien beobachtet. Mit einem Sprachaufzeichnungsgerät wurden die Dialoge zwischen Kindern und Eltern aufgezeichnet, Aufgabenstellungen oder fertige Hausaufgaben, vor allem ausgefüllte Arbeitsblätter, wurden fotografiert. Die Konzentration auf Familien mit türkischem Migrationshintergrund begründet sich aus der Annahme, dass Kinder aus diesen Familien als besonders bildungsbenachteiligt gelten, weil angenommen wird, dass die Eltern aufgrund ihrer Schulbildung und ihrer Sprachkenntnisse ihre Kinder weniger bei den Aufgaben unterstützen können. Ein Ergebnis der Studie ist dann auch, dass die Art und Weise, wie die Schule Hausaufgaben stellt und formuliert in einer Bildungssprache geschieht, die zu Schwierigkeiten bei der Aufgabenbearbeitung führen kann, selbst dann wenn gute Sprachkenntnisse bei den Eltern vorhanden sind. Die bildungssprachlichen Fertigkeiten werden von den Kindern und ihren Eltern erwartet und vorausgesetzt, ohne dass sie zuvor durch die Schule vermittelt wurden. Der deutsch-türkische Titel der Dissertation „Hausaufgaben yapmak” kann dem Betrachter des Umschlages etwas von dieser schwierige Situation, in der sich Eltern befinden, veranschaulichen: Als deutschsprachiger Leser kann man zunächst nur ein Wort verstehen, das Wort yapmak bleibt unverständlich (es bedeutet „machen”).
Dieses Problem der Existenz zweier Sprachen am Familientisch bei der Durchführung von Hausaufgaben dürfte auch auf viele deutschsprachige Familien zutreffen. Daraus folgen, auch dies zeigt die Studie an vielen genau beobachteten Beispielen, schwierige Gesprächssituationen. Eltern und Kinder bemühen sich gemeinsam um das Verständnis der Aufgabenstellung. Die Eltern wollen und sollen den Kindern helfen, diese wollen und sollen sich helfen lassen und sind gleichzeitig Experten für die Interpretation der schulischen Aufgabenstellung. Die Ergebnisse der Forschungsarbeit von Martina Nieswandt machen sichtbar, dass es sich bei Hausaufgabensituationen um intergenerationale Tischgespräche zwischen Eltern und Kindern handelt. Diese Gespräche sind dabei von einer Vielzahl unterschiedlicher Rollen und Vorstellungen geprägt. Die Kinder sitzen gewissermaßen als Schüler am heimischen Familientisch. In einer gewissen Weise ist die Schule anwesend und dennoch ist es ein Gespräch zwischen Eltern und Kindern und nicht zwischen Lehrerinnen und Schülern. Welche Bedeutung die Hausaufgaben wiederum in der Schule haben, muss von beiden interpretiert werden, weil es einerseits als wichtig gilt, dass die Hausaufgaben pünktlich und vollständig durchgeführt werden, andererseits nicht klar ist, welchen Anteil eine gute Erledigung der Hausaufgaben an den Noten hat. So ist ein weiteres Ergebnis der Beobachtungen, dass Fehlervermeidung im Mittelpunkt der Diskussionen und Handlungen steht. Es geht Kindern und Eltern darum, ein möglichst fehlerfreies Produkt anzufertigen. Daran wird besonders die Paradoxie der Hausaufgabensituation deutlich. Eigentlich sollen Hausaufgaben zum selbständigen Üben und Wiederholen von Unterrichtsinhalten beitragen oder wie es im hessischen Schulgesetz heißt: „Hausaufgaben ergänzen die Unterrichtsarbeit durch Verarbeitung und Vertiefung und durch Anwendung von Kenntnissen und Fertigkeiten.“ Nicht geregelt ist in dem Gesetz die Alltagssituation, die darin besteht, dass vielen Schülern eben jene in der Schule vermittelten Einsichten fehlen, die nun nur noch vertieft und geübt werden sollen. Selbst ein ggf. mit Hilfe der Eltern erstelltes fehlerfreies Produkt erlaubt keine Rückmeldung über das Gelingen oder Nichtgelingen der angestrebten Lernprozesse. Hausaufgaben gehören als Schulaufgaben an ihren Entstehungsort zurück, nämlich in die Schule und nicht in die Familie – ist die Folgerung der Studie.
Verlag Julius Klinkhardt, Bad Heilbrunn 2013, www.klinkhardt.de/verlagsprogramm/1948.html

Die martha muchow. Stiftung hat die Publikation der Dissertation finanziert. Diese Arbeit stellt eine Verbindung von Schulforschung und Kindheitsforschung her. Indem sie Hausaufgabensituationen in Familien erforscht wird ein neues, bisher brachliegendes Forschungsfeld betreten. Darüber hinaus wird hier im Kontext der Komplexität der Zumutungen und Erwartungen an Kinder in Schule und Familie auch deren Perspektive auf eine Welt dargestellt, die die Erwachsenen ihnen auf eine höchst widersprüchliche Weise präsentieren.

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Umgangsweisen mit Natur(en) in der Frühen Bildung
Marcus Rauterberg, Svantje Schumann (Hrsg.) (2013) 

schneckeSeit gut 10 Jahren lässt sich im elementarpädagogischen Bereich ein Transformationsprozess beobachten. Politisch propagiertes und in Bildungsplänen konkretisiertes Ziel dieses Prozesses ist der Kompetenzerwerb von Kindern im Vorschulalter. Die Fachkräfte werden mit dem Anspruch konfrontiert, mit Kindern umfassende Bildungsarbeit leisten zu sollen. Die Kompetenzen sind, nicht zuletzt wegen der Forderung einer Anschlussfähigkeit, sowohl in Hinblick auf Inhalts- als auch Handlungsaspekte in der Regel schulfachnah formuliert.
Ein prominenter Kompetenzbereich ist die Bildung im Bereich von Natur und/oder Naturwissenschaft. Zahlreiche Konzeptionen, u.a. das sog. „naturwissenschaftliche Experimentieren” oder der „selbstbildende kindliche Umgang mit Natur” wurden entwickelt.
Die Beiträge des Bandes „Umgangsweisen mit Natur(en)” analysieren und reflektieren ausgehend von einer ExpertInnentagung im April 2013 elementar- und schuldidaktische Konzeptionen im Bereich der naturerfahrungsbasierten und der naturwissenschaftlichen Bildung. Im Ergebnis kann dieser Bildungsbereich aus u.a. erziehungswissenschaftlicher und didaktischer Perspektive kaum als zufriedenstellend bestellt angesehen werden – wie die einzelnen Beiträge für den von ihnen jeweils untersuchten Aspekt zeigen. Damit stellt sich auch die Frage an Bildungspolitik, auf welcher argumentativen Basis die Aufnahme bestimmter Konzeptionen in die Bildungs- und Orientierungspläne erfolgt. Die wissenschaftliche Debatte unter Beteiligung von ExpertInnen aus dem Elementar- und Primarbereich, der Didaktik und Erziehungswissenschaft wird auf der Folgetagung 2014 fortgesetzt.
www.widerstreit-sachunterricht.de, Berlin 2013: www.widerstreit-sachunterricht.de/ (Beiheft 9)

Die martha muchow. Stiftung hat die Tagung und die Veröffentlichung ihrer Ergebnisse unterstützt, weil sie einen Beitrag zu einer besseren theoretischen Fundierung des Sachlernens im Kindergarten leistet.

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Projekte 2013

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Martha Muchow-Ausstellung der Universität Hamburg
Am 25. September 2012 jährte sich der Geburtstag von Martha Muchow zum 120. Mal

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© UHH, RRZ/MCC, Arvid Mentz

Die Fakultät für Erziehungswissenschaft, Psychologie und Bewegungswissenschaft der Universität Hamburg nahm diesen Tag zum Anlass, um in der nach Martha Muchow benannten Fakultätsbibliothek eine Ausstellung über ihr Leben, Werk und Wirken zu eröffnen.

Dies ist ein Teil des Versuches, ihre Arbeit, ihre methodische Herangehensweise und ihre Bedeutung für die Geschichte der Erziehungswissenschaften und der Psychologie, präsent zu halten und einzuordnen. Dazu gehört die Büste einer mutigen jungen Frau, deren berufliches und privates Umfeld durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten zerstört wurde. Dazu gehört ein Graffiti-Portrait des Künstlers Philipp Kabbe an einer Betonwand mit Zitaten aus dem Buch „Der Lebensraum des Großstadtkindes”. Dazu gehört aber auch die Veröffentlichung bislang schwer zugänglicher Texte auf der homepage der Fakultätsbibliothek der Fakultät für Erziehungswissenschaft, Psychologie und Bewegungswissenschaft der Universität Hamburg. Außer ihrer Dissertation “Zur Psychologie des Erziehers” sind dort 16 Aufsätze nachlesbar.
http://www.ew.uni-hamburg.de/de/mmb/ueberuns/muchow.html dort unter „Originaltexte”

Nähere Informationen finden sich in der zeitgleich mit der Eröffnung der Ausstellung erschienenen Publikation von Hannelore Faulstich-Wieland/Peter Faulstich: Lebenswege und Lernräume. Martha Muchow: Leben, Werk und Weiterwirken, Verlag Beltz Juventa, Weinheim und Basel 2012

Die martha muchow. Stiftung hat diese Ausstellung durch die Finanzierung für die Erstellung eines Ausstellungskonzeptes durch Cynthia Krell & Melanie Pieper und für die Anfertigung einer Büste Martha Muchows durch die Künstlerin Karin Bohrmann-Roth unterstützt.